Wie hilft Mental Health Ihrem Business? Tipps zum Stressmanagement

Sandra Löhning aus dem Partnermanagement der exali AG war zu Gast bei einem Webinar von Uplink und sprach dort über ein bedeutsames Thema: Psychische Gesundheit beziehungsweise Mental Health und warum es nicht nur für Sie als Person, sondern auch für Ihr Business wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Talk haben wir im Artikel aufbereitet.

Warum ist mentale Gesundheit so wichtig?

In der Generation unserer Großeltern wurde über Themen wie psychische Gesundheit, Work-Life-Balance und Stressreduktion nicht gesprochen. Krankheiten wie Depressionen oder Burn Out galten damals eher als persönliches Versagen.

Was natürlich, um das an dieser Stelle ganz klar zu sagen, nicht nur vollkommener Blödsinn ist, sondern auch potenziell lebensbedrohlich. Um das zu veranschaulichen, hier einige Daten auf einer Übersichtsseite zum Thema Suizid von der deutschen Depressionshilfe:

Diese Statistik zeigt deutlich: Mental Health ist nicht nur wichtig, sondern überlebenswichtig! Gerade deshalb ist das Webinar, in dem Nick Oestreich vom Freelancer-Netzwerk Uplink und Sandra Löhning über Mental Health sprechen so wertvoll. Das komplette Video des Webinars können Sie sich hier ansehen:

 
 

 

Welche Rolle spielt Work Life Balance bei der mentalen Gesundheit?

Der Spruch „Ich arbeite selbst und ständig“ kommt nicht von ungefähr – und das nicht nur am Anfang der Selbständigkeit. Als Freelancer, Selbständige oder Selbständiger haben Sie ein ganz anderes Verhältnis zu Ihrer Arbeit - es ist nicht einfach ein Job, bei dem Sie nach acht Stunden den Stift fallen lassen und nach Hause gehen. Ihr Business ist Teil Ihrer Identität und Ihres Privatlebens. Das wirklich zu trennen ist eine Herausforderung.

Gerade, weil Selbständige sich so sehr mit ihrem Business identifizieren und die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen, ist Selbstfürsorge umso wichtiger. Denn eines dürfen Sie nie vergessen: Die wichtigste Ressource für Ihr Business sind Sie selbst. Es gibt einige Strategien, die es zumindest manchmal erleichtern, auf sich selbst zu achten.

Die Kraft der Routine

Nicht umsonst betonen Managerzeitschriften, selbsternannte Coaches in sozialen Netzwerken und Ratgeberbücher immer wieder die Bedeutung von Routinen. Tatsächlich wirken sich Routinen positiv auf die psychische Gesundheit aus, zum Beispiel sorgen sie für:

Leider ist es schwer, sich nicht von der Fülle an Ratschlägen und Möglichkeiten erschlagen zu lassen. Kommt Ihnen das hier bekannt vor?

Die Liste ließe sich sicher noch lange fortsetzen. Die Frage ist nun: Welche dieser Tipps sollen Sie in Ihren Alltag integrieren? So viele oder so wenige, wie Sie möchten – Sie können auch IHre eigene, individuelle Routine zusammenstellen.

Der Mythos, dass nur Menschen, die möglichst früh aufstehen, erfolgreich sind, ist ein Märchen. Es gibt genug erfolgreiche Menschen, die ihren Tag nicht vor acht oder neun Uhr morgens beginnen, darunter zum Beispiel die US-Talkshow-Queen Oprah Winfrey.

Das Wichtigste beim Aufbau einer Routine ist die Konsistenz – es dauert etwa 66 Tage, bis eine Gewohnheit entsteht. Beginnen Sie langsam mit ein oder zwei Veränderungen. Erst, wenn Sie diese für etwa drei Monate kontinuierlich etabliert haben, fangen Sie an, eine neue Gewohnheit in Ihre Routine einzubauen.

Pausen in den Arbeitsalltag integrieren

Wer ständig Vollgas gibt, brennt schnell aus. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig Pausen zu gönnen – insbesondere an stressigen Tagen. Eine Entschleunigung in Form eines Spaziergangs, einer Kaffeepause oder einer Meditation kann wahre Wunder wirken. Deshalb sollten Sie sich nicht nur regelmäßig Pausen gönnen, sondern diese auch aktiv in den Arbeitsalltag einplanen.

Gönne Sie sich eine Auszeit

Fast genauso wichtig wie Pausen ist es, sich mit etwas anderem als dem eigenen Business zu beschäftigen. Meiden Sie Bildschirme im Urlaub komplett. Wer wie unser CEO Ralph Günther mit dem Motorrad durch Afrika fährt oder mit dem Allradwohnmobil auf dem Balkan unterwegs ist, tut sich schwer, E-Mails zu beantworten oder geschäftliche Anrufe entgegenzunehmen.

Aber es muss ja nicht gleich der Lange Urlaub sein. Versuche Sie, Privates und Berufliches zu trennen. Eine gute Möglichkeit ist Sport. Während der anstrengenden Trainingseinheiten sind die Gedanken an die Arbeit wirklich weit weg.

Realistisch planen

Dieser simple Ratschlag ist besonders am Anfang der Selbstständigkeit oft der schwierigste. Denn natürlich geht es in erster Linie darum, Geld zu verdienen. Das verleitet gerade in der Anfangsphase dazu, einerseits mehr Arbeit anzunehmen, als Sie bewältigen können.

Andererseits haben Sie bei der Preisgestaltung eventuell noch nicht das nötige Selbstvertrauen. Die Folge: Sie nehmen weniger Geld ein, als Sie brauchen, und das führt dazu, dass Sie mehr Arbeit annehmen, als Sie bewältigen können.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie VOR dem Start in die Selbständigkeit überlegen, wie Sie leben wollen (wie viele Stunden pro Woche wollen Sie arbeiten, wie viele Tage Urlaub möchten Sie pro Jahr machen usw.) und wie viel Sie verdienen wollen.

Nicht umsonst sind diese beiden Fragen für die Berechnung Ihres Stundensatzes von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist auch, dass Sie mit einem finanziellen Polster in die Selbständigkeit starten, um gerade am Anfang die eine oder andere Flaute überbrücken zu können.

Tipp:

Victoria Ringleb, Geschäftsführerin der AGD – Allianz deutscher Designer – sprach im Interview mit exali darüber, warum das Thema Stundensatzkalkulation so wichtig ist und wie Sie Preise gut an Kundinnen und Kunden kommunizieren. Das komplette Interview finden Sie hier: Stundensatzkalkulation – Tipps von Expertin Victoria Ringleb.

Wie gelingt Stressmanagement im Business-Alltag?

Viele psychische Probleme äußern sich zuerst in körperlichen Symptomen. Erkrankungen wie Burn-out, Depressionen oder Angstzustände werden nicht selten von körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen oder auch einem Ziehen in der Brust begleitet. Gerade bei der Volkskrankheit Rücken ist bekannt, dass Stress Rückenbeschwerden verstärken kann.

Deshalb ist es wichtig, auf Ihren Körper und vor allem auf Warnsignale zu achten – besonders, wenn Sie bestimmte Beschwerden vorher nicht oder nicht so häufig hatten. Könnte es sein, dass Ihre Kopfschmerzen damit zusammenhängen, dass Sie in den letzten vier Tagen durchschnittlich zwölf Stunden gearbeitet haben? Sind Ihre Rückenschmerzen möglicherweise auf Stress durch zu viel Arbeit zurückzuführen?

Leiden Sie plötzlich vermehrt unter Sodbrennen oder Verdauungsproblemen? All das können Anzeichen für zu viel Stress sein, die sich in körperlichen Symptomen äußern. Lassen Sie länger anhaltende Beschwerden immer von einem Arzt abklären und gehen Sie unabhängig davon regelmäßig zur Vorsorge.

Monotasking oder Multitasking?

Gerade als Freelancer laufen Sie Gefahr, alles gleichzeitig erledigen zu wollen. Wenn Sie in verschiedenen Projekten oder unterschiedlichen Projektphasen stecken (ein Projekt steht kurz vor der Abgabe, ein Projekt startet demnächst und für ein anderes befinden Sie sich gerade in Verhandlungen mit den Auftraggebern) funktioniert das nicht. Wer mehrere Dinge gleichzeitig machen will, schafft in der Regel an diesem Tag wenig bis gar nichts.

Besser ist es daher, die Aufgaben zu priorisieren. Hier gibt Nick Oestreich im Webinar einen hilfreichen Tipp: Nehmen Sie sich eine bestimmte Anzahl von Aufgaben vor, die Sie – realistisch gesehen – heute erledigen können und vor allem: Priorisieren Sie die Reihenfolge, in der Sie Tasks erledigen wollen.

Eine Möglichkeit ist, die unangenehmste Aufgabe zuerst zu erledigen, denn die werden Sie höchstwahrscheinlich aufschieben. Im besten Fall schaffen Sie, was Sie sich für den Tag vorgenommen haben. Haben Sie im Anschluss noch Zeit und Energie übrig, können Sie überlegen, welche Aufgaben Sie heute noch erledigen wollen – oder Sie gönnen sich einen frühen Feierabend.

Ablenkungen minimieren

Zum Monotasking gehört, andere Ablenkungen wie E-Mails oder Anrufe zu minimieren. Statt mit ständig geöffnetem Mailprogramm und Smartphone neben dem PC zu arbeiten, planen Sie lieber feste Zeiten ein, in denen Sie sowohl Ihre E-Mails als auch mögliche Anrufe oder Nachrichten checken.

Je nachdem, wie häufig Sie von Ihrer Kundschaft kontaktiert werden, kann das zum Beispiel stündlich, zweistündlich oder auch nur vier Mal am Tag sein. Wenn Sie Ihr E-Mail-Programm außerhalb dieser Zeiten schließen und das Telefon auf lautlos stellen, minimieren Sie Ablenkungen und können sich besser auf die Aufgabe konzentrieren, an der Sie gerade arbeiten.

Tipp:

Viele Freelancer und Selbständige kämpfen mit einer sehr menschlichen Eigenschaft: Dem Aufschieben von eher ungeliebten Aufgaben. Wenn dies allerdings dazu führt, dass sich die Arbeit auftürmt und Sie Gefahr laufen, wichtige Deadlines zu verpassen, können diese Tipps helfen: Was hilft wirklich gegen Aufschieben? Ursachen, Tipps und Strategien.

Tages- oder Wochenpläne

Um Ihren Arbeitsalltag besser zu strukturieren, kann es auch sinnvoll sein, Ihre Woche – oder Ihren Tag, je nach Tätigkeitsbereich – in Blöcke einzuteilen. Das geht zum Beispiel, indem Sie zum einen fixe wöchentliche oder monatliche Termine mit Mitarbeitenden ausmachen – etwa ein Jour Fix mit Teamleiterinnen und Teamleitern, ein Führungskräfte-Meeting oder auch die monatliche Planung redaktioneller Inhalte.

Stehen größere Termine wie Events, Projektabschlüsse oder eine Aufsichtsratssitzung an, blocke Sie sich vorab halbe oder sogar ganze Tage in denen Sie sich vorbereiten oder Absprachen mit den jeweiligen Teams treffen.

Freelancer sollten sich neben der täglichen Planung auch einen Wochenplan zu überlegen. Den teilen Sie in grobe Blöcke ein: Arbeit an Projekten, Kundenakquise, Buchhaltung, Social Media und so weiter.

So haben Sie immer einen groben Plan, wie viel Zeit Sie pro Woche für welche Tätigkeiten aufwenden möchten und können Termine besser an relevante Beteiligte kommunizieren. Planen Sie hierbei nicht nur Aktivitäten, sondern auch Pausen mit ein.

Wie kommunizieren Sie richtig?

Eine gute Planung nützt nichts, wenn Sie sie ständig über den Haufen werfen, sobald eine Kundenanfrage kommt. Sie müssen nicht völlig starr und unflexibel an Ihrem Plan festhalten.

Aber Ihre Planung ständig zu verändern, ist ebenso kontraproduktiv. Hier gibt Ihnen Ihre Wochenplanung zusätzlich eine gewisse Sicherheit, da Sie den Kundinnen und Kunden eine Alternative anbieten können – am besten zu einem Termin, der besser in Ihre Planung passt.

Lernen Sie, „Nein“ zu sagen

Es gibt Situationen, in denen Sie das Maximum dessen erreicht haben, was Sie tun können. Gerade als Freelancer sind Sie jetzt vielleicht versucht, Anfragen dennoch anzunehmen – schließlich bedeuten Aufträge auch Umsatz.

Damit tun Sie aber nicht nur sich selbst keinen Gefallen, sondern auch Ihrer Kundschaft. Denn Stress und Zeitknappheit sorgen in der Regel nicht für die besten Ergebnisse. Wenn Sie merken, dass die Kapazität an Aufträgen, die Sie annehmen können, erreicht ist, müssen Sie auch mal Anfragen ablehnen.

Tun Sie dies freundlich und vor allem ehrlich – Kundinnen und Kunden werden es zu schätzen wissen. Sie können auch einen Zeitraum nennen, in dem Sie wieder mehr Kapazitäten haben, falls der Auftrag etwas warten kann. Oder Sie verweisen die Interessierten an Freelancer aus Ihrem Netzwerk – diese werden das sicher dankend annehmen und sich bei Gelegenheit revanchieren.

Tipp:

Gute Organisation und Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Business. In diesem Artikel haben wir einige Strategien dafür zusammengestellt: Wie organisieren Freelancer ihr Business? Tipps zum Auftragsmanagement.

Ist Mental Health ein Produktionsboost?

Mental Health ist wichtig – für Freelancer und Selbständige ebenso wie für Angestellte. Wer auf sich und die eigene psychische Gesundheit achtet, ist in der Regel leistungsfähiger und damit produktiver. Wichtig ist der Aspekt der Individualität: Nicht jede Strategie funktioniert für alle. Was gut für Sie und Ihre Psyche ist, müssen Sie selbst herausfinden.

Vielleicht können Sie mit einer Morgenroutine, bei der Sie um 5 Uhr morgens bei Wind und Wetter joggen gehst, nichts anfangen. Und das ist in Ordnung. Dann laufen Sie eben abends nach der Arbeit eine und sind danach viel entspannter und vor allem besser gelaunt, als wenn Sie sich um 5 Uhr morgens aus dem Bett gequält hätten.

Insgesamt ist es wichtig und richtig, über das Thema Mental Health auch im unternehmerischen Kontext zu sprechen. Die stetig steigenden Zahlen von Menschen, die aufgrund von Stress und psychischen Erkrankungen arbeitsunfähig werden, sollten uns allen ein Warnsignal sein.