Wie treffen Sie die richtigen Business-Entscheidungen?
Gibt es Entscheidungssicherheit?
Entscheidungen haben eine problematische Eigenschaft: Entscheiden Sie sich für eine Sache, schließen Sie meist eine andere damit aus. So war es auch, als Ralph Günther sich 2008 für die Gründung von exali entschied. Diese Wahl war gleichzeitig eine Entscheidung gegen eine vermeintlich sicherere finanzielle Zukunft.
Der vermeintliche Verlust, der mit einer Entscheidung einhergeht, ist natürlich beängstigend. Aus diesem Grund treffen Menschen immer wieder eine Wahl, die ihnen eigentlich gar nicht entspricht – einfach, weil sie sich damit sicherer fühlen.
Zufriedener sind sie damit allerdings eher selten. Stehen Sie vor einer Entscheidung, besteht aber nicht nur die Möglichkeit, dass Sie die falsche Option wählen. Manchmal sind Sie vielleicht sogar wie gelähmt. Sie können Sich gar nicht für die eine oder andere Variante entscheiden.
Gerade im Business müssen Sie oft viele offene Fragen klären: Arbeiten Sie remote oder vor Ort? Sollten Sie sich spezialisieren oder doch besser ein möglichst breites Leistungsspektrum anbieten?
Brauchen Sie eine Website und diverse Social-Media-Konten? Oder genügt eine einfache Onlinepräsenz? All diese Dinge entscheiden zu müssen erzeugt Druck, unter dem das Business leiden kann.
Wenn es Ihnen mental gut geht, fällt es Ihnen leichter gute Entscheidungen zu treffen. Welche Vorteile ein achtsamer Umgang mit Ihnen selbst sonst noch bietet und wie es Ihnen im hektischen Freelancer-Alltag geling, lesen Sie hier: Wie hilft Mental Health Ihrem Business? Tipps zum Stressmanagement.
Sollten Sie aus dem Bauch oder faktenbezogen entscheiden?
Wenn es um das Treffen von Entscheidungen geht, bekommen Sie es mit zwei Ansätzen zu tun: Entweder Sie entscheiden ganz spontan aus dem Bauch heraus. Oder Sie arbeiten faktenbezogen und wählen möglichst rational die für Sie beste Option.
Allerdings vertreten einige auch die These, dass wir immer aus dem Bauch heraus entscheiden. Im Anschluss suchen wir dann Argumente, die unsere Wahl untermauern. Auf diese Weise reden wir uns ein, wir hätten völlig faktenbasiert gehandelt.
Welche Variante die Bessere ist, lässt sich nicht pauschal bestimmen. Empfehlenswert ist eine ausgewogene Mischung. Wir Menschen treffen ihre Entscheidungen sowieso nicht annährend so rational, wie wir gern glauben wollen. Außerdem haben wir oft die Tendenz, Dinge zu „zerdenken“, wenn wir krampfhaft sämtliche Faktoren in unsere Entscheidungen einbeziehen wollen.
Als die erste Coronawelle über das Land rollte, musste der Führungskreis von exali möglichst schnell entscheiden, wie sie weiterhin einen reibungslosen Arbeitsalltag gewährleisten wollen.
Dazu gehörte damals zum Beispiel eine rasche Umstellung auf Remote-Arbeit und Rotation sowie die Einführung von Hygieneregeln. Hier hätten es sich die Beteiligten gar nicht erlauben können, lange zu zögern. Blinder Aktionismus hätte aber mindestens genauso viel Schaden anrichten können.
Wie treffen Sie langfristige Entscheidungen?
Dass Sie auf ein so kurzfristiges Ereignis wie Corona reagieren müssen, ist glücklicherweise nicht die Norm. Viele unternehmerische Entscheidungen treffen Sie eher langfristig, ihre Auswirkungen liegen weit in der Zukunft. Trotzdem müssen Sie sich mit manchen davon JETZT auseinandersetzen.
Diese Konstellation bringt ein Problem mit sich: Oft liegt die Belohnung für die eigentlich richtige Entscheidung so weit in der Zukunft, dass wir faule Kompromisse machen – einfach nur, weil wir uns von ihnen schnellere Resultate und ein Gefühl der Befriedigung versprechen.
Reihen Sie solche Entscheidungen zu oft aneinander, laufen Sie Gefahr, einen völlig falschen Weg einzuschlagen. Auf diese Weise entfernen Sie sich immer weiter von Ihrer ursprünglichen Zielsetzung. Eine Entscheidung des exali-CEOs, die definitiv langfristige Auswirkungen hatte, war die für ein Sabbatical.
Ralph Günther hat sich 2024 eine sechsmonatige Auszeit vorgenommen. Nach langem Nachdenke hatte er sich entschlossen, diese Idee endlich in die Tat umzusetzen, anstatt auf den vermeintlich perfekten Zeitpunkt zu warten.
Den perfekten Zeitpunkt für die Umsetzung einer Entscheidung gibt es oft nicht. Sie können nur darauf achten, dass die Voraussetzungen stimmen. Die Planungen und Vorbereitungen für dieses Vorhaben nahm er schon mehr als ein halbes Jahr im Voraus in Angriff. Denn wie so oft bringt auch hier die Entscheidung für eine Sache weitere Entscheidungen mit sich. In diesem Fall galt es, zum Beispiel diese Fragen zu beantworten:
- Wie laufen die Prozesse weiter, in denen er normalerweise involviert bin?
- Wer übernimmt welche Aufgaben?
- Wer benötigt noch weitere Vollmachten?
- Wo wird weiterhin sein Input benötigt?
- Auf welchem Weg ist er erreichbar?
- Bei welchen Trigger-Ereignissen möchte er aktiv benachrichtigt werden?
All das wurde in Ruhe mit den Führungskräften in einem zweitägigen Workshop besprochen. So wissen nun alle, was während der Abwesenheit zu tun ist und können sich auf die neuen Abläufe einstellen.
Diese systematische Herangehensweise verschafft ausreichend Zeit, alle wichtigen Faktoren zu berücksichtigen. Zusätzlich war es auf diese Weise möglich, alle betroffenen Personen zu involvieren. So war es weniger wahrscheinlich, dass jemand übereilt auf Unwägbarkeiten reagieren muss.
Wie gelingen fundierte Entscheidungen?
Wir halten uns selbst meist für wahnsinnig rational. Insbesondere wenn es darum geht, gute Entscheidungen zu treffen. Allerdings spielt unser Unterbewusstsein uns gern Streiche. Daher sollten Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung folgende Punkte berücksichtigen:
- Um die beste Wahl zu treffen, sollten Sie sich selbst sehr gut kennen. Was ist Ihnen wichtig? Was leitet Sie? Wo liegen Ihre Schwächen? Wenn Sie diese Dinge wissen, können Sie Entscheidungen fällen, die Ihnen entsprechen. Außerdem neigen Sie weniger zur Selbsttäuschung.
- Geben Sie sich nicht mit faulen Kompromissen zufrieden, nur, weil Sie sich davon kurzfristigen Erfolg versprechen. Sehen Sie stattdessen das große Ganze und machen Sie sich klar, was Ihre Entscheidung langfristig bedeutet.
- Handeln Sie nicht impulsiv. Die Redewendung „Eine Nacht darüber schlafen“ gibt es nicht umsonst. Setzen Sie sich eine Frist, um das Für und Wider abzuwägen. Dann können Sie sich entscheiden, dahinterstehen und entsprechend handeln.
- Entscheiden Sie faktenbasiert. Damit das gelingt, besorgen Sie sich im Vorfeld alle wichtigen Informationen. So müssen Sie sich nicht auf Vermutungen oder sogar Ängste stützen. Die sind nie ein guter Ratgeber – erst recht nicht, wenn es ums Geschäft geht. Machen Sie sich bewusst, dass es immer wieder Menschen geben wird, die Ihre Entscheidungen nicht gutheißen. Lassen Sie sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Wenn Sie von einer einmal getroffenen Wahl überzeugt sind, bleiben Sie dabei. Sie können nicht alle glücklich machen.
- Schalten Sie Stressfaktoren aus. Jemand will Sie unter Druck setzen? Lassen Sie sich darauf nicht ein. Unter Stress treffen wir übereilte Entscheidungen, ohne uns über die Konsequenzen wirklich im Klaren zu sein.
Sie haben Angst vor Fehlentscheidungen? Sie fürchten, dass deswegen wichtige Projekte scheitern? Das ist verständlich. Es birgt aber auch viele Chancen zu Weiterentwicklung – vorausgesetzt, Sie bemühen Sich um ein passendes Verhältnis zum Thema Scheitern. Wie das aussehen kann, verraten wir im Artikel Was können Unternehmerinnen und Unternehmer durch Scheitern lernen?
Wie laufen Entscheidungen ab?
Wenn Sie diese Tipps beherzigen, sind Sie schon mal auf einem guten Weg zu einer besseren Entscheidung. Wie eine Entscheidungsfindung konkret aussehen kann, zeigen wir anhand dieses beispielhaften Ablaufs.
Analyse
Bevor Sie in die Entscheidungsfindung gehen, sollten Sie über alle notwendigen Informationen verfügen, die für die Entscheidung eine Rolle spielen. Die Beantwortung folgender Fragen kann dabei helfen:
- Wer ist beteiligt?
- Was genau gilt es zu entscheiden?
- Wie genau haben Sie darauf Einfluss?
- Bis wann müssen Sie sich entscheiden?
- Welche Faktoren beeinflussen Ihre Entscheidungsfindung?
- Welche Folgen wird Ihre Entscheidung ganz konkret haben?
- Wie relevant wird die Entscheidung für Sie noch in fünf Wochen/Monaten/Jahren sein?
Zielsetzung
Mit jeder Entscheidung verfolgen Sie ein bestimmtes Ziel. Dieses Ziel formulieren Sie am besten klar und möglichst positiv. Das kann zum Beispiel so klingen: „Ich werden Aufträge ablehnen, wenn ich bereits ausgebucht bin. So werde ich meinen Projekten gerecht.“
Stellen Sie außerdem sicher, dass Ihr Ziel realistisch ist und Sie bei der Erreichung nicht von Dritten abhängen. Wenn wir bei unserem Beispiel bleiben, kann das Folgendes bedeuten: Sie kommunizieren auf Ihrer Website und auf Social Media, dass Sie bis zu einem bestimmten Datum erstmal keine neuen Aufträge annehmen.
Du willst die Umsetzung deines Ziels sicherstellen? Dann solltest du es messbar gestalten. In unserem Fall wäre das die Zahl der Aufträge, die du in einem bestimmten Zeitraum abgelehnt hast.
Entscheidungsfindung
Für das Treffen Ihrer Entscheidung stehen viele Methoden zur Verfügung. Sie können von der klassischen Pro-Contra-Liste bis hin zu Mindmap zwischen unterschiedlichen Tools wählen. Egal, welche Variante Sie vorziehen, sie haben alle eines gemeinsam: Sie helfen, Optionen sichtbar zu machen und über die Konsequenzen einer Entscheidung klar zu werden. Sie sehen sämtliche Argumente auf einen Blick und können Ihren Prozess bis zu diesem Punkt einwandfrei nachvollziehen.
Ist eine Entscheidung besser als keine?
Das Leben ist voller Entscheidungen! Besonders die großen, weitreichenden können beängstigend sein. Dann vor Angst zu erstarren und gar keine Entscheidung zu treffen, wird Sie auf Dauer aber wesentlich mehr belasten, als eventuell die falsche Wahl zu treffen. Lassen Sie sich also nicht von Ihren Befürchtungen lähmen.
Gehen Sie stattdessen systematisch an die Sache heran. Am Ende geht es darum, dass Sie zu Ihren Entscheidungen stehen und die Konsequenzen guten Gewissens tragen können. Denn am Ende sind allein Sie für Ihre Entschlüsse verantwortlich. Damit sind Sie endgültig in der Selbständigkeit angekommen.