Wie reagieren Führungskräfte auf Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing am Arbeitsplatz ist nicht nur für die Betroffenen eine furchtbare Erfahrung, sondern schwächt das gesamte Business. Deshalb verraten wir im Artikel, was Sie als Führungskraft tun können, um Mobbing innerhalb Ihres Teams zu erkennen und zu unterbinden.
Wie erkennen und stoppen Arbeitgeber Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing am Arbeitsplatz gab es schon immer. Doch was früher konsequent und systematisch unter den Teppich gekehrt oder als Überempfindlichkeit der Betroffenen abgetan wurde, rückt glücklicherweise immer mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Das ist eine positive Entwicklung, denn nicht selten stehen sowohl die Betroffenen selbst als auch Arbeitgeber diesen schlimmen Vorkommnissen hilflos gegenüber.
In vielen Fällen können Mitarbeitende Unstimmigkeiten selbst in Gesprächen – manchmal unter der Moderation einer neutralen zusätzlichen Person – beilegen. Viele Unternehmen haben in ihren Werten klar verankert, dass alle Beteiligten sich bei unterschiedlichen Ansichten kompromissbereit zeigen und einen gemeinsamen Nenner finden.
Dieser angenehme Umstand ist natürlich nicht überall die Norm und kann sich definitiv ändern. Deshalb sind Führungskräfte angehalten, Probleme mit Mobbing rechtzeitig zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren. Denn nichts ist schlimmer als wegzusehen und zu hoffen, dass sich das Problem einfach von allein löst.
Was ist Mobbing?
Per Definition handelt es sich bei Mobbing um eine Form der psychischen Gewalt. Sie zeichnet sich durch wiederholtes, regelmäßiges (vorrangig) seelisches Schikanieren, Quälen und Verletzen einer Person durch eine Gruppe oder Einzelne aus. Im Arbeitsumfeld kann Mobbing vielfältige Züge annehmen, zum Beispiel…
…das Ausgrenzen bei Gesprächen, Meetings und Treffen
…abfällige oder anzügliche Bemerkungen
…Ignorieren
…das Vorenthalten von Informationen
…sinnlose oder überflüssige Tätigkeiten
…Aufgaben, die Betroffene definitiv überfordern
…übertriebene Kritik und Kontrolle.
Mobbing umfasst alle Verhaltensweisen, die dafür sorgen, dass Mitarbeitende in ihrer Würde verletzt werden und tagtäglich einem Umfeld voller Anfeindungen, Einschüchterung und Erniedrigung ausgesetzt sind.
Wie erkennen Sie Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing als solches zu erkennen, ist für Führungskräfte gar nicht so leicht. Die vermeintlich einfachste Variante ist natürlich: Mitarbeitende wenden sich mit ihren Problemen direkt an Sie oder die direkten Vorgesetzten. Für Betroffene ist das ein riesiger Schritt, der große Überwindung kostet.
Nehmen Sie diese Meldung daher unbedingt ernst und prüfen Sie das Ganze sorgfältig! Unglücklicherweise ist dieses Szenario eher ein Ausnahmefall: Oft leiden Betroffene von Mobbing stumm und isolieren sich immer mehr, anstatt jemanden ins Vertrauen zu ziehen. Das erschwert es Führungskräften erheblich, Fälle von Mobbing im Team zu erkennen. Es gibt allerdings Anzeichen, die definitiv auffallen, wenn Sie genau hinsehen:
- Rückzug
Betroffene ziehen sich oft stark zurück, werden verschlossen und in sich gekehrt. - Krankheit
Um sich dem toxischen Arbeitsumfeld nicht täglich aussetzen zu müssen, greifen Mitarbeitende immer wieder zum Krankenschein und die Fehlzeiten erhöhen sich massiv. - Konflikte
Zu Beginn setzen sich einige Betroffene noch gegen das Mobbing zur Wehr. Das sorgt oft Unstimmigkeiten innerhalb des Teams. - Grüppchenbildung
Bei Mobbing heißt es oft: Alle gegen Eine oder Einen. Dieses Schema zeichnet sich oft schon im Vorfeld ab, wenn sich innerhalb des Teams klar getrennte Gruppen bilden.
Viele dieser Punkte können Sie als Führungskraft bereits im Vorfeld erkennen, wenn Sie gut auf die Dynamik im Team achten, die sozialen Beziehungen der Teammitglieder untereinander kennen und diese Strukturen im täglichen Umgang nicht außer Acht lassen.
Denn je besser Sie Ihr Team kennen, desto eher fallen (negative) Veränderungen auf. Ist das tatsächlich einmal der Fall, suchen Sie unbedingt das persönliche Gespräch mit den Beteiligten und erkundigen Sie sich nach den Ursachen. Womöglich fällt bereits in diesem Stadium der Begriff “Mobbing“ – und das sollten Sie definitiv ernst nehmen.
Es kommt immer wieder vor, dass einfach nur mit den Augen gerollt wird, wenn Betroffene ihren Mut zusammennehmen, um über Mobbingerfahrungen zu sprechen. Gerne fallen in diesem Zusammenhang Sätze wie „Du bist einfach zu empfindlich.“ Oder „Heute ist ja alles gleich Mobbing.“ Das wertet Betroffene ab und verschlimmert den Leidensdruck enorm.
Wie verhalten Sie sich als Führungskraft bei Mobbing?
Im Idealfall ergreifen Sie Präventionsmaßnahmen, die so gut fruchten, dass Mobbing im Team gar nicht erst entstehen kann. Ein ergiebiger Nährboden für Mobbing ist zum Beispiel eine fehlerhafte Unternehmensorganisation, die dafür sorgt, dass verschiedene Leute sich ungerecht behandelt fühlen. So entstehen intern Neid, Missgunst und jede Menge Ärger – eine perfekte Brutstätte für Grüppchenbildung, bei der sich all der aufgestaute Frust früher oder später gegen einzelne Personen entlädt.
Zu den Präventivmaßnahmen gehören auch Team-Building Events. Zum einen haben die Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, sich noch einmal auf einer anderen Ebene kennen zu lernen zum anderen können Sie schneller erkennen, ob ein Teammitglied außen vor ist.
Auch ist es sehr wichtig, dem Team zu vermitteln, dass Sie für Sorgen und Probleme stets ein offenes Ohr haben. Ihre Mitarbeitenden müssen wissen, dass sie im Fall der Fälle jederzeit mit Ihnen sprechen können und Hilfe erhalten.
Kommunizieren Sie auch in komplizierten Situationen stets wertschätzend und achten Sie darauf, dass Sie für Ihr Team berechenbar bleiben. Das heißt, Ihr Team sollte sich darauf verlassen können, dass Sie unter Druck ebenfalls gerecht und durchdacht reagieren. Außerdem ist es wichtig, dass Sie einmal getätigte Zusagen einhalten.
Haben Sie ein Problem mit Mobbing innerhalb des Teams ausgemacht, sollten Sie die Vorwürfe der betroffenen Person unbedingt ernst nehmen und reagieren:
Schritt 1:
Bitten Sie die Beteiligten im ersten Schritt getrennt voneinander zum Vier-Augen-Gespräch. Lassen Sie sich dabei nicht vom Wut und Ärger des Teams anstecken. Verhalten Sie sich neutral und objektiv und bleiben Sie stets lösungsorientiert.
Schritt 2:
Nun ist ein sensibler Punkt erreicht: Ein mögliches Gespräch, für das Sie beide Parteien an einen Tisch bringen, ist nur sinnvoll, wenn die- oder derjenige, von dem das Mobbing ausgeht, Einsicht zeigt. Bei diesem zugegeben schwierigen Vorhaben kann die Anwesenheit neutraler Mediatorinnen oder Mediatoren helfen. Diese Person gestaltet das Verfahren, mit der der Konflikt (hoffentlich) beigelegt wird und sorgt für eine angemessene Kommunikation zwischen allen beteiligten Parteien.
Schritt 3:
Liegt tatsächlich ein Fall von Mobbing vor und zeigt sich die oder der Mobbende nicht einsichtig, können Sie als Führungskraft durchaus Konsequenzen ziehen – zum Beispiel in Form einer Abmahnung oder in besonders schweren Fällen auch durch eine verhaltensbedingte Kündigung. Beachten Sie dabei jedoch unbedingt das Arbeitsrecht. Damit ersparen Sie sich im Nachgang juristische Auseinandersetzungen. Stimmen Sie Ihr Vorgehen am besten im Vorfeld mit juristischer Unterstützung aus dem Bereich Arbeitsrecht ab.
Schritt 4:
Bei allen Bemühungen, die mobbende Person in die Schranken zu weisen – vergessen Sie die Betroffenen nicht! Bieten Sie Unterstützung an (sofern erwünscht), die dabei hilft, die schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten. Eventuell hilft auch die Versetzung in eine andere Abteilung, in der die Beziehung der Kolleginnen und Kollegen untereinander nicht vorbelastet ist.
Das kann einen „Neuanfang“ erleichtern. Und selbst wenn per Definition kein Mobbing vorliegt, ist es wichtig Mitarbeitende ernst zu nehmen und herauszuarbeiten, warum die Person das Gefühl hat, von Mobbing betroffen zu sein. Denn nur, wer sich in einem Team wohlfühlt, arbeitet gut.
Sie können viel zum Wohlbefinden Ihres Teams beitragen. Wie Sie die Motivation hochhalten und damit für ein produktives und konstruktives Miteinander sorgen, lesen Sie hier: Wie motivieren Selbständige Ihre Mitarbeitenden? 9 Tipps.
Wie wirkt sich Mobbing aufs Business aus?
Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, entstehen hin und wieder Unstimmigkeiten – das lässt sich nicht vermeiden und kann der Motor für neue Entwicklungen sein. Es kommt allerdings darauf an, diese Konflikte ordentlich beizulegen – und zwar so, dass weder die Beteiligten noch das Betriebsklima leiden. Als Führungskraft spielen Sie in diesem Prozess eine wichtige Rolle und haben gute Einflussmöglichkeiten, rechtzeitig gegenzusteuern.
Denn auch, wenn es sich dabei stets um eine Gratwanderung zwischen dem Schutz des Betroffenen und der Wahrung des Betriebsfriedens beziehungsweise dem Schutz vor ungerechtfertigten Vorwürfen handelt: Das Thema Mobbing ist keine Randerscheinung und wirkt sich langfristig negativ auf alle Beteiligten aus: Die Betroffenen, das Team und das gesamte Unternehmen.
Vivien Gebhardt ist Onlineredakteurin bei exali. Hier erstellt sie Content zu Themen, die Selbständigen, Freiberuflern und Unternehmern unter den Nägeln brennen. Ihre Spezialgebiete sind Risiken im E-Commerce, Rechtsthemen und Schadenfälle, die bei exali versicherten Freelancern passiert sind.



